Island - Reisetagebuch

Im Herbst diesen Jahres war ich zusammen mit Denny und seiner Lebensgefährtin Susann für 16 Tage auf Island. Diesen Traum hatten wir schon seit vielen Jahren, jedoch mangelte es entweder an Geld oder an Zeit; mal bei mir, mal bei Denny. Bereits im Jahr 2017 konnte zusammen mit meinen Eltern und meinen Bruder eine Woche lang den Südwesten Islands erkunden. Danach reifte der Wunsch in mir, noch einmal die komplette Ringstraße zu befahren, vielleicht sogar in einem der dort zahlreich vertretenen Camper-Vans. Schnell war eine Karte bei Google Maps eröffnete und füllte sich seit Dezember 2018 nach und nach mit immer mehr Zielen. Ich entschied mich, die Reise in den Herbst zu verlegen, da eine gute Freundin im letzten Jahr ebenfalls den Süden und Südwesten Islands bereiste und mir viele Bilder mit tollen herbstlichen Farben schickte. Und vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, ein paar Nordlichter zu beobachten… Eigentlich geht da die Saison erst Mitte Oktober los, genau wie die Regenzeit. Aber werhu weiß, eventuell würden wir ja Glück haben. Ein Versuch ist es wert.

Es ging etwas Zeit ins Land und Denny und ich tauschten uns über unsere Urlaubspläne aus und beschlossen, dass wir dieses Abenteuer ja eigentlich auch gemeinsam angehen könnten. Schließlich hegten wir schon seit vielen Jahren den Traum, zusammen Island zu erkunden. Und so wurden dann innerhalb kurzer Zeit die Flüge gebucht, die Route finalisiert, bezahlbare Unterkünfte und ein Mietwagen gebucht und dann ging es auch schon Mitte September los.

Tag 1

Freitag, 20.09.2019

Unser Flug landete etwas verspätet um kurz nach halb 3 in Keflavík. Der Anflug war wenig spektakulär, Regen und Nebel nahmen bis kurz vor dem Aufsetzen jegliche Sicht und sorgten zugleich für ein komisches Gefühl, da wir selbst bei einer Flughöhe von 200 Metern absolut nichts sehen konnten. Das Abholen des Mietwagens gestaltete sich als unproblematisch und so machten wir uns gegen 16 Uhr auf zur Unterkunft. Der Plan sah vor, auf dem Weg dorthin noch den Nationalpark Þingvellir inklusive des Grabenbruchs zu besichtigen.

Die herbstlichen Farben beeindruckten uns und nach einem anstrengenden Tag kamen wir müde aber froh an unserer Unterkunft an. Und hier erleben wir gleich die erste - und zum Glück einzige - schlechte Überraschung unserer Reise. Unser Name war der Unterkunft unbekannt, der Voucher von der Buchung wurde nicht akzeptiert. Nach einigen fruchtlosen Gesprächen bekamen wir dann die restlichen zwei Zimmer. Immerhin etwas.

Tag 2

Samstag, 21.09.2019

Am nächsten Morgen konnte sich dann alles klären. Die ältere Dame, die für die Abwesenheit ihres Sohnes im Ausland die Unterkunft übernommen hat, konnte wohl noch über Nacht telefonisch in Erfahrung bringen, dass unser Voucher gültig ist und wir die Zimmer nicht noch einmal bezahlen müssen. An diesem Tag stand der sogenannte Golden Circle auf dem Programm. Unser Plan, vor den Tagestouristen in Geysir am bekannten Strokkur und am Gullfoss, dem goldenen Wasserfall, zu sein, ging voll auf. Und so konnten wir dann einige Ausbrüche des Strokkurs beobachten. Sogar einen vergleichsweise seltenen dreifachen Ausbruch binnen einer halben Minute konnten wir erleben. Auch das Wetter war stabil, sehr viel Wind, aber kein Tropfen von oben.

Kurz nach dem Mittag stand dann ein Besuch des LAVAcentre in Hvolsvöllur auf der Agenda. Das Museum wurde im Jahr 2018 übrigens mit zwei Red Dot Design Awards ausgezeichnet, und das völlig zu recht, wie wir noch festellen durften. Im Eingangsbereich des Museums war eine große Karte von Island aufgebaut, auf der mit Hilfe eines Beamers alle Erdbeben der letzten 48 Stunden verzeichnet wurden. Dies verdeutlichte einmal mehr, was für Kräfte permanent im Erdinneren wirken. Auch hier war uns das Glück hold, und so konnten wir fast alleine in Ruhe durch die Hallen gehen. Neben interaktiven Exponaten zur Entstehung von Island selbst und den verschiedenen Vulkan-Arten gab es auch im Boden eingelassene Plattformen, auf die man sich stellen und die verschiedenen Erdbeben-Arten spüren konnte. Das war außergewöhnlich und man kann sich danach sehr gut vorstellen, wie sich Erdbeben in Wirklichkeit anfühlen müssen.

Am Nachmittag, passend zum Stop am Seljalandsfoss, brach die Wolkendecke auf und die Sonne kam zum Vorschein. Der Seljalandsfoss ist einer der wenigen Wasserfälle auf der Welt, bei dem man hinter den Fall laufen kann. Gut ein Kilometer entfernt kann man in einer Höhle den Gljúfrabúi bestaunen. Hier wurde es sehr eng, da es keinen festen Weg in diese Höhle gibt, sondern man über im Flussbett liegende Steine an einer Wand entlang laufen muss. In der Höhle selbst gibt es außerordentlich viel Gischt und dank sehr vieler Menschen, die nach uns in die Höhle wollten, mussten wir lange warten, bis wir endlich den Weg antreten durften. Unsere komplette Rückseite war dann klatschnass.

Zum Abschluss des Tages gab es einen kurzen Abstecher in die Seljavallalaug, dem ersten Outdoor-Pool Islands. Mangels sanitärer Einrichtungen blieben wir aber nicht lange und machten uns auf den Weg zur Unterkunft. Den Skogafoss konnten wir deshalb leider nur von weitem sehen, aber das war okay. Wasserfälle hatten wir heute genug gesehen.

Abends wurde es dann plötzlich ganz schön stürmisch. Die Nacht verbringen wir in einer kleinen Holzhütte in unmittelbarer Nähe des schwarzen Strands mit Blick auf das Kap Dyrholaey und den Leuchtturm.

Tag 3

Sonntag, 22.09.2019

Wir stehen früh auf, denn wir wollen zum bekannten Flugzeugwrack am Strand von Sólheimasandur. Und das möglichst vor den Busladungen anderer Touristen. Es stürmt weiterhin und das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Lediglich zwei andere Menschen waren mit uns am Wrack. Nachdem wir unsere Fotos gemacht haben entlud dann auch der erste Bus eine Ladung Touristen und so gingen wir zurück zum Auto.

Das Flugzeug der US Navy wurde am 21. November 1973 ein Opfer des isländischen Wetters mit eisiger Kälte, Stürmen und Nebel. Der Pilot konnte die Maschine hier glücklicherweise notlanden, sodass niemand verletzt wurde. Da es keine Verpflichtung gibt, Wracks zu entfernen, blieb es bis heute hier liegen und war einst ein absoluter Geheimtipp. Durch den Film „Heima“ der isländischen Band Sigur Rós erlagte das Wrack erste Bekanntheit und ist mittlerweile - auch dank eines Musikvideos von Justin Bieber - ein Touristenmagnet.

Das Wetter kan man sich bekanntlich nicht aussuchen, und so versuchten wir uns beim Besuch des Leuchturms auf Dyrholaey und dem schwarzen Strand Reynisfjara die Laune verderben zu lassen. Der Ausblick am Leuchtturm auf den schwarzen Strand war phänomenal, auch wenn man nicht sehr weit sehen konnte. Aufgrund des Rückenwinds dort oben traute ich mich aber nicht sehr nah an den Rand.

In Vík, dem südlichsten Ort Islands, machten wir einen kurzen Stopp an der bekannten Kirche, um dann endlich etwas warmes zu essen und uns zu trocknen. Die Route führte weiter in östliche Richtung, die Schlucht Fjadrargljufur ließen wir aus. Es regnete immer noch und wir waren nach wie vor durchnässt.

Am späten Nachmittag fuhren wir durch eine Mondlandschaft. Überall schwarzer Boden und in der Ferne drei große Gletscherzungen. Am Svínafellsjökull machten wir Halt, der Weg war jedoch zu unsicher, sodass wir den Gletscher dann lieber in sichererer Entfernung auf uns wirken ließen. Zur Unterkunft war es dann auch nicht mehr weit.

Hinter der Unterkunft erhebt sich der Öræfajökull. Ein Vulkan, der in den letzten Jahren vermehrt rumort. Bereits Ende 2017 wurde eine etwa ein Kilometer breite Einsenkung der Eisdecke beobachtet. Wollen wir mal hoffen, dass er seinen Ausbruch noch ein paar Tage verschieben kann.

Tag 4

Montag, 23.09.2019

Nach einem ausgewogenen Frühstück ging es nach einem kurzen Tankstopp weiter in östliche Richtung. Denny und Susann wollten gerne einen Ausflug mit einem Schlauchboot auf der Gletscherlagune Fjallsárlón machen. Nach anfänglicher Skepsis ließ ich mich breit schlagen und sollte es nicht bereuen. Im Nachhinein weiß ich auch nicht mehr, warum ich überhaupt so skeptisch war, denn dies war erste große Highlight unserer Rundreise! Eingepackt in dicken Wetterklamotten und ausgestattet mit einer Rettungsweste ging es auf ein Schlauchboot. Das Wetter war sehr neblig, weswegen uns ein Blick auf den Gletaber vom Ufer aus verwehrt blieb. Immerhin regnete es nicht.

Vorbei fahrend an kleinen und großen Eisbergen erzählte uns unser italienischer Guide, der nur in der hellen Monaten auf Island lebt, allerhand interessates über Eisberge und reichte ein paar Stücke krisstallklaren Eises herum. Die restliche Hälfte des gut anderthalbstündigen Trips verbrachten wir in der Nähe der Gletscherwand, mit genügend Sicherheitsabstand. Denn jederzeit könnte ein Stück vom Gletscher abbrechen - das sogenannte Kalben. Wir hörten den Gletscher öfter knacken und konnten im Augenwinkel dann sogar einen kleinen Abbruch sehen. Leider zu schnell für die Kameras.

Nach einem kurzen Stopp an der größeren und bekannteren Gletscherlagune Jökulsárlón, bei dem wir sogar Robben sahen, war es nur ein Katzensprung zum Diamantstrand. Irgendwann treiben alle Eisberge der Jökulsárlón auf das offene Meer, wo sie schmelzen. Die kleinen Bruchstücke werden dann von den Wellen an den Strand gespült und ergeben ein einmaliges Bild. Surreal!

In einem kleinen aber sehr empfehlenswerten Diner im Hafen der kleinen Stadt Höfn mit rund 1800 Einwohnern stärkten wir uns mit einer warmen Speise. Dann ging es weiter zum Stokknes, einem schwarzen Strand mit beeindruckender Berghängen. Leider ist kurz vor unserer Ankunft die Sonne verschwunden und binnen weniger Minuten war von der imposanten Bergkulisse nicht mehr viel zu sehen. Das wechselhafte Wetter hat mal wieder für Nebel gesorgt, der aus östlicher Richtung aufzog. Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Abstecher in eine künstliche Vikingersiedlung, die einst für einen Film gebaut wurde, der aber nie gedreht werden sollte. Die Häuser waren ziemlich verfallen, sodass sich dieser Weg nicht gelohnt hat. Immerhin war das Set schon im Wegzoll enthalten, sodass wir uns nicht groß ärgerten.

Unterwegs streichelten wir noch ein paar Islandpferde. Unsere Unterkunft für die Nacht war sehr modern eingerichtet und kann noch nicht alt gewesen sein. Und mitten im Nichts, aber das ist ja nichts neues.

Tag 5

Dienstag, 24.09.2019

Heute war mehr fahren und weniger sehen. Bei Nebel schlängelten wir uns an den Ostfjorden immer weiter in Richtung unseres Ziels. Ein Besuch in einem Steinmuseum in Eskifjörður war angedacht. Dieses hatte Denny im Atlas Obscura gefunden, doch leider trafen wir dort niemanden an, sodass wir unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten. Nach kurzer Stärkung in einer umgebauten Tankstelle verließen wir die Fjorde und fuhren zunächst nach Egilsstaðir, der Hauptstadt der Ostfjorde. Hier sollten wir zunächst nicht anhalten, denn wir waren auf dem Weg nach Seydisfjordur und seinem berühmten Regenbogenweg. Die ersten Serpentinen war noch frei vom Nebel und so konnten wir einen tollen Blick auf das Tal rund um Egilsstaðir erhaschen.

Hinter dem Berg sollte es dann ganz anders aussehen. Es war - mal wieder - neblig und es wurde zufällig gerade neu ausphaltiert. Da stieg der Puls schon mal kurzzeitig an, aber Denny brachte uns sicher auf die andere Seite, auf der uns ein niedlicher Ort mit vielen kleinen bunten Häusern erwartete. Hier legt übrigens auch wöchentlich die Fähre von und nach Dänemark an.

Über den abenteuerlichen Pass ging es zurück nach Egilsstaðir, wo wir noch ein paar Sachen einkauften und dann eine längere Schotterstraße in Richtung Borgarfjörður. Hier blieben wir zwei Nächte in einem sehr modernen Hotel. Unser separtes zweistöckiges Appartment und ein großer Spa-Bereich ließen uns etwas durchschnaufen, die Südküste haben wir jetzt hinter uns gelassen, der rauere Norden lag vor uns. Der Wetterbericht für den ersten Abend war vielversprechend, und so ergab es sich, dass wir draußen in einem 40°C warmen Whirlpool liegend zum ersten Mal Polarlichter sahen. Wir waren schon ziemlich aus dem Häuschen, aber auch etwas enttäuscht, denn in Wirklichkeit waren sie recht schwach und nicht so gut zu sehen wie auf dem Foto von Denny. Wir waren unsicher, ob das wirklich schon die maximale Intensität ist…

Den sechsten Tag der Reise verbrachten wir in der Nähe des Hotels, der ruhigere Tag tat Denny und Susann sehr gut, denn beide haben sich eine leichte Erkältung zugezogen.

Tag 7

Donnerstag, 26.09.2019

Nach einem üppigen Frühstück verließen wir die Ostfjorde und fuhren nun erstmals in überwiegend westliche Richtung. Das Wetter war nach wie vor wechselhaft, aber immerhin sah der Ausblick auf die nächsten Tage deutlich besser aus. Am Sonntag soll sogar die Sonne scheinen.

Als erstes Ziel stand die Schlucht Stuðlagil auf dem Programm, die etwas südlich der Ringstraße liegt. Normalerweise ist das Wasser hier sehr blau bis türkis, aber da ein nah gelegener Staudamm voll ist wird das überschüssige Gletscherwasser durchgelassen, wodurch die Färbung bei unserem Besuch eher gräulich war. Trotzdem waren die Basaltsäulen sehr schön anzusehen.

Die Ringstraße führt etwas ins Hochland. Hier wachsen kaum noch Pflanzen, es gibt keine Nutztiere und alles was bleibt sind jede Menge Wind, mehrheitlich dunkle Oberflächen und tolle Ausblicke.

Wie verließen die Ringstraße in nördliche Richtung und machten uns auf zum Dettifoss. Der Weg dahin führte über eine Gravel Road, die so sehr mit Schlaglöchern übersäht war, dass wir für die 32 Kilometer über eine Stunde benötigten. Am Abend erzählte uns unsere Gastgeberin, dass wir besser die Straße westlich des Flusses Jökulsá á Fjöllum genommen hätten.

Schon von weitem konnte man das Rauschen des Wasserfalls hören. Der Dettifoss ist mit einer ungefähren Leistung von 85 Megawatt der stärkste und voluminöseste Wasserfall Europas, der durch ein Tal fließt, das entfernt an den Grand Canyon erinnert. Beeindruckende Mengen strömen da über den Abgrund, im Sommer bis zu 400.000 Liter Wasser pro Sekunde.

Zurück auf der Gravel Road geht es weiter in Richtung Norden bis an die Küste. Von da aus ging es dann nach Husavík, einer kleinem Stadt mit etwas über 2.000 Einwohnern, schönen kleinen Häusern und einer noch schöneren Kirche. Man gab sich selbst den Namen „Capital of Whales“, weil die Walbeobachtungsausflüge eine Erfolgsrate von 95% haben. Unsere Tour ist aber erst für den übernächsten Tag geplant.

Unsere Unterkunft lag - mal wieder - mitten im Nichts. Unsere Gastgeber waren ein französisches Ehepaar, die die meiste Zeit des Jahres auf Island leben und jeden Tag neue Gäste beherbergen. Ebenfalls in der Unterkunft wohnte ein amerikanisches Pärchen, dem wir in den nächsten Tagen kurioserweise noch öfter begegnen sollten.

Tag 8

Freitag, 27.09.2019

Auf dem Programm stand die Gegend rund um den für seine Mücken bekannten und nach ihnen benannten See Mývatn. Direkt südlich von unserer Unterkunft lag der Wasserfall der Götter - der Goðafoss. Das Wetter war wieder sehr durchwachsen, sodass wir hier nicht sehr lange verweilten. Östlich des Sees befindet sich das Geothermalgebiet, wo wir zuerst an einer in einer Höhle gelegenen kleinen warmen Quelle namens Grjótagjá hielten. Diese wurde 2013 durch die Serie Game of Thrones berühmt und bis zum letzten Vulkanausbruch konnte man in der Quelle auch baden. Seitdem ist es aber mit einer Wassertemperatur von 43-46 °C etwas zu warm dafür.

Nördöstlich des Sees erstrecken sich die Lavafelder des Krafla. Der Weg führte durch ein Geothermiekraftwerk einen Berg hinauf, auf dem wir dann am Kratersee Viti hielten. Bei gutem Wetter wäre eine Wanderung sicherlich toll gewesen, aber das amerikanische Pärchen aus unserer Unterkunft, das wir hier zufällig trafen, hatte von Schlamm überzogene Wanderstiefel an und der Weg sah alles andere als einladend aus, sodass wir uns mit dem Blick auf den großen Kratersee zufrieden gaben.

Etwa zehn Kilometer südlich des Kraters befindet sich das Geothermalgebiet Namaskard. Neben intensiven Schwefelgeruch und Dampfschwaden gab es hier viele blubbernde Flüssigkeiten, die aussehen wie flüssiger Beton, und viele tolle Farben.

Wegen seines Schnupfens konnte Denny nichts vom Geruch wahrnehmen. Der Glückliche.

Zum Abschluss des Tages entspannten wir gute zwei Stunden in diesem Wasser des Mývatn Nature Baths und in einer sehr sehr heißen Geothermalsauna. Etwas kleiner als die Blaue Lagune, aber dafür weniger überlaufen und nicht so überteuert. Das Wasser ist wirklich interessant, denn es bildet so einen leicht schmierigen Film auf der Haut. Wirklich schwer zu beschreiben, aber wir fühlten uns danach unheimlich entspannt. Das hat sich gelohnt!

Tag 9

Samstag, 28.09.2019

Von unserer Unterkunft aus ging es in Richtung Akureyri, der Hauptstadt des Nordens. Wir für 10 Uhr morgens eine Walbeobachtungstour in Hjalteyri gebucht, das etwa 20 Kilometer nördlich liegt. Wir erhofften uns viel und wir sollten nicht enttäuscht werden, gegen Ende des zweistündigen Törns kamen wir einem Buckelwal immer näher. Schön war, dass die drei Schiffe sehr respektvoll mit den Walen umgehen und einzelne Tiere nicht dauerhaft verfolgen.

Völlig euphorisiert fuhren wir zurück nach Akureyri, um dort etwas zu essen und ein wenig die Stadt zu erkunden. Lustigerweise liefen wir hier - mitten auf der Straße - wieder dem amerikanischen Pärchen aus der Unterkunft der letzten beiden Tage über den Weg.

Am Nachmittag ging es über die Ringstraße weiter nach Glaumbær, ein altes Kirchdorf, in dem noch alte traditionelle Häuser stehen, wie sie vor dem 19. Jahrhundert gebaut wurden. Leider war das Museum bereits geschlossen, sodass wir nur ein Blick auf außen in die Häuser werfen konnten. Dafür schien immerhin wieder die Sonne.

Zu unserer Unterkunft in Skagaströnd fuhren wir einen leichten Umweg über einen Bergpass und genossen die untergehende Sonne. Abends konnten wir noch ein paar Polarlichter beobachten, aber leider waren diese sehr schwach.

Tag 10

Sonntag, 29.09.2019

Island kann auch schönes Wetter! Tage voller Sonnenschein standen uns für die Route durch die Westfjorde bevor. Aber zuerst mussten wir diese erst einmal erreichen. Als erstes stand der Besuch des berühmten Vogelfelsens Hvítserkur auf dem Programm. Der sieht schick aus und ist gar nicht mal so tief wie man meinen könnte. Durch die Ebbe kamen wir leider nicht dichter heran, aber so konnte Denny auch ein paar tolle Drohnenaufnahmen machen.

Dank Susanns Reiseführer wurden wir auf eine natürliche Basaltburg namens Borgarvirki aufmerksam, in der die Wikinger einst Basalt abbauten und die entstandene Mulde dann als Festung verwendeten. Oben bot sich ein freier Blick in alle Richtungen, sogar die Berge hinter unserer Unterkunft vom Vorabend konnte man sehen, und die war immerhin gute 50 Kilometer entfernt.

Wir bogen ab in Richtung Hólmavík. Dort beginnen die Westfjorde und uns standen zwei Tage voll scheinbar endloser Autofahrten an sehr kargen Fjorden bevor. Auch die Menge an Autos hat abgenommen, man ist hier fast allein unterwegs.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Museum für Hexerei und Zauberei und einem kurzen Tank- und Einkaufsstopp ging es zu unserer Unterkunft. Dort wurden wir von einem vorgewärmten Pool auf der Terrasse überrascht, den wir überhaupt nicht auf dem Schirm hatten. Zu diesem Zeitpunkt stand die Aurora-Vorhersage für den Abend nur bei 3 von 6. Wir waren etwas enttäuscht, da der Ort ideal wäre, um Polarlichter zu beobachten, da hier nur wenige Häuser stehen, die nächste größere Stadt weit weg ist und es somit keine störende Lichtverschmutzung gibt.

Was haben wir uns geirrt! Trotz mäßiger Vorhersage konnten wir die stärksten Polarlichter unserer Reise beobachten und viele tolle Fotos aufnehmen. Wohin man schaute leuchtete es grün, teilweise war sogar die ganze Umgebung grün erleuchtet. Erst jetzt begriffen wir, was es bedeutet, wenn Nordlichter tanzen. Was für Bewegungen! Ein einmaliges Erlebnis, dass wir wohl nie vergessen werden!

Tag 11

Montag, 30.09.2019

In der Nacht sanken die Temperaturen auf um die 0 °C und wir sagen den ersten Reif auf dem Auto. Immerhin schien die Sonne wieder, sodass wir die Westfjorde bei schönstem Wetter erkunden konnten. Die Route führte an vielen Fjorden vorbei, sodass wir uns schon darauf einstellen, viel zu fahren und wenig voran zu kommen. Aber die Landschaft sollte das entschädigen.

Unterwegs trafen wir wenig andere Menschen, sahen dafür aber jede Menge kahle Bergkämme. Ein geplante Führung durch ein berühmtes Salzwerk konnten Susann und Denny leider nicht antreten, da dort gerade gebaut wurde. Aber immerhin konnten sie im daneben gelegenen Laden jede Menge exquisites Salz als Mitbringsel erstehen. Nach schier entloser Fahrt erreichten wir am Nachmittag die Hafenstadt Ísafjörður, die größte Stadt der Westfjorde im äußersten Nordwesten Islands. Gebaut auf einer kleinen Halbinsel mitten in einem Fjord bietet sie viele kleine und bunte Häuser. Die Berge am Rande des Fjords sind 731 und 832 m hoch.

Etwas weiter nordwestlich - und viel weiter nordwestlich geht es kaum - gibt es eine Schotterstraße, die den Bolafjall hinauf führt. Auf diesem 634 m hohen Berg steht die ehemalige Radarstation Latrar Air Station, die bis 2006 von den USA betrieben wurde. Direkt daneben befindet sich eine Felskante in besagter Höhe, von der man einen fantastischen Ausblick auf den unbewohnten nordwestlichsten Teil Islands namens Hornstrandir hat. Im Jahr 1952 zogen die letzten Einwohner von dort weg und 1975 wurde ein Naturschutzgebiet eingerichtet. Angeblich könne man vom Bolafjall auch Grönland sehen können. Das ist durch die Krümmung der Erde eigentlich nicht möglich, jedoch gibt es gelegentlich eine Fata Morgana, sodass man die Gipfel tatsächlich sehen kann.

Am späten Nachmittag ging es durch einen längeren einspurigen Tunnel nach Süden, unsere Unterkunft war ein Hostel in dem Örtchen Flateyri, das ebenfalls auf einer Halbinsel liegt. An dem Abend ruhte ich mich aus, da ich nun auch von der grassierenden Erkältung erwischt wurde - zum Glück jedoch nur leicht. Dies war der letzte Abend, an dem wir Polarlichter beobachten konnten.

Tag 12

Dienstag, 01.10.2019

Heute ging es weiter durch die Westfjorde, langsam aber sicher wieder zurück in südliche Richtung. Vor uns liegt auch die längste Schotterstraße unserer Reise mit gut 90 Kilometern. Schotterstraßen sind zwar grundsätzlich okay, erfordern aber permanent die Aufmerksamkeit des Fahrers, der versucht, den größten Schlaglöchern auszuweichen. Einige Abschnitte konnte man mit den erlaubten 80 km/h fahren, nur um dann im nächsten Moment in einen Bereich zu kommen, in dem man ungerne schneller als 20 km/h fährt.

Auf ungefähr der Hälfte der Strecke liegt der Wasserfall Dynjandi. Mit seinen insgesamt sieben Stufen und einer Höhe von etwas über 100 Metern ist er zwar nicht der stärkste, in meinen Augen aber der schönste Wasserfall Islands. Die Sonne hing morgens über dem Bergkamm, sodass wir nur Fotos bei Gegenlicht machen konnten. Abend sieht er bestimmt noch schöner aus!

Selten haben wir uns so über eine Asphaltstraße gefreut wie an diesem Tag. Nach einem kurzen Einkauf in einem Supermarkt in Patreksfjörður erreichten wir das am Strand liegende Schiffswrack Garðar BA 64. Das 1912 in Norwegen gebaute Schiff wurde hauptsächlich für den Fang von Haien und wohl auch Walen verwerndet, ehe es 1981 bewusst auf den Strand gefahren wurde, da es außer Dienst gestellt wurde und scheinbar niemand so recht wusste, wohin damit. Es ist übrigens auch das älteste Stahlschiff Islands. Über einen kleinen Pass erreichten wir einen schwer zugänglichen Strand Rauðisandur mit großem Schwemmgebiet, an dessen Rand wir diese kleine niedliche Kirche entdeckten. Wir hofften zwar, mehr vom Strand sehen zu können, aber leider führte kein Weg dorthin, sodass wir nur ein paar Drohnenaufnahmen machen konnten.

Zu unserer Unterkunft war es dann auch gar nicht mehr weit, eine niedliche kleine Hütte in der Region Hagi mit Blick auf die Südküste der Westfjorde.

Tag 13

Mittwoch, 02.10.2019

Nach einem entspannten Aufenthalt in unserer Hütte hing es weiter in südliche Richtung, wir verließen die Westfjorde und machten uns auf, die Halbinsel Snæfellsnes zu erreichen. Unsere Route führte uns über Schotterstraßen auf der nördlichen Seite der Halbinsel zur Stadt Stykkishólmur, die ich bereits 2017 besuchte. Pünktlich bei unserer Ankunft im Hafen begann es natürlich auch wieder zu regnen, sodass die Erkundung der Stadt leider sehr kurz ausfiel. Spätes Mittagessen gab es in der Bäckerei, die ich früher schon einmal besuchte - und die mittlerweile auch kräftig umgebaut haben.

Ein wenig weiter westlich von Stykkishólmur befindet sich das Gammelhai-Museum. Auch beim zweiten Besuch musste ich einfach ein Stücken probieren und tatsächlich schmeckte er nicht so schlimm wie vor 2 Jahren. Die Vermutung war, dass der Hai einfach noch weitere zwei Monate an der frischen Luft hing und vielleicht deshalb weniger intensiv schmeckte. Immerhin kann ich jetzt auch eher verstehen, warum viele Isländer den gerne als Snack nebenbei essen.

Auf dem Weg zu unserer Unterkunft fuhren wir durch ein Lava-Feld und hielten kurz an. Trotz des kräftigen Winds konnte Denny noch kurz seine Drohne steigen lassen, während ich das mit Moos überwachsene Lava-Gestein bestaunte. Unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte war eine große Hütte, die eigentlich für acht Personen ausgelegt war und auf den Bildern besser aussah, aber wir machten es uns trotzdem gemütlich.

Tag 14

Donnerstag, 03.10.2019

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Erkundung der Halbinsel, doch leider hat uns das unangenehme Wetter mit Regen und Sturm wieder eingeholt. Unser erstes Ziel war die bekannte schwarze Kirche an der südlichen Küste der Halbinsel.

In Arnarstapi sorgte der Sturm für eine aufgepeitschte See und das hinterließ bei den Klippen rund um diesen Ort tolle Eindrücke. Nur dieser Regen ging mir gewaltig auf die Nerven, unsere geplanten Wanderungen entlang der Küste fielen buchstäblich ins Wasser. Den Besuch auf dem inaktiven Vulkan Saxhóll ließen wir aus. Am Hang gab es zwar eine lange Treppe, aber die Sturmböen waren uns nicht geheuer, sodass wir den Parkplatz wieder verließen und weiter nach Ólafsvík fuhren. Dort suchten wir spontan nach einer Möglichkeit, etwas zu essen, uns aufzuwärmen und zu trocknen. Wir entschieden uns, im Restaurant Sker einzukehren. Die Pizza für 21€ war zwar ziemlich teuer, aber die beste, die ich seit langem aß. Nach einem kurzen feuchten Tankstopp ging es dann weiter nach Grundarfjörður.

Direkt vor dem Ort steht der Kirkjufell, mit seinen 463 Metern der bekannteste Berg Islands und einer der 10 schönsten Berge der Welt. Zusammen mit dem Wasserfall Kirkjufellsfoss ist er ein beliebtes Fotoobjekt. Bei meinem ersten Besuch vor zwei Jahren stolperten eher zufällig über den Wasserfall und schenkten dem Berg nicht die Beachtung, die er verdient. Erst danach wurde mir klar, wie besonders dieser Ort eigentlich ist, deshalb stand er diesmal bei mir besonders im Fokus.

Tag 15

Freitag, 04.10.2019

Am vorletzten Tag drehte sich alles um Reykjavík, dass sich nach zwei Wochen auf der Ringstraße und in den Westfjorden wie ein starkes Kontrastprogramm anfühlte. Vor zwei Tagen, als wir die Westfjorde verließen, fuhren wir einmal eine halbe Stunde, ohne dass wir überhaupt ein anderes Auto sahen. Hier ist alles voller Autos und Menschen und trotzdem strahlt die Stadt eine gewisse Gelassenheit aus. Und wir hatten Glück mit dem Wetter, es regnete nicht!

Auf dem Weg nach Reykjavík machten wir noch einen kurzer Abstecher zum Leuchturm in Akranes, bevor es dann durch einen Tunnel weiter zur Hauptstadt Islands ging, in der und 23 der gesamten isländischen Bevölkerung leben.

Zuerst besuchten wir das Perlan, ein Museum mit vielen unterschiedlichen Ausstellungen. Wir wollten jedoch nur auf die Aussichtsplattform und nahmen das Planetarium mit. Ein großer Kinosaal mit einer großen Kuppel, auf die ein Video zur Entstehung und Geschichte sowie Interpreation von Polarlichtern projeziert wurde. Sehr cool!

Danach gingen wir durch die Innenstadt, besichtigten die Hallgrímskirkja, statteten vielen kleinen Läden einen Besuch ab, erkundeten den Hafen, besuchten das Walmuseum Whales of Iceland, aßen isländisches Streetfood, gingen an der Harpa vorbei zur Wikingerschiff-Skultur Sólfarid und dann zurück zum Auto.

Tag 16

Samstag, 05.10.2019

Der letzte Tag in Island. Diese Tage vergingen wie im Fluge und wir genießen noch einmal das isländische Wetter, dass uns zu Beginn und jetzt zum Ende unserer Reise ein treuer Begleiter ist: Regen und Sturm. Auf dem Programm stand die Erkundung der Halbinsel Reykjanes. Übersetzt bedeutet das soviel wie rauchende Halbinsel.

Zuerst ging es auf der Ringstraße in Richtung Osten zu einer Lava-Höhle namens Raufarhólshellir. Unser tollkühner Plan war, dass wir in einer Höhle ja dem Regen entkommen könnten. Wir sich heraus stellte war das ein totaler Trugschluss. Es genauso feucht, nur waren es weniger aber dafür größere Tropfen, da das Regenwasser langsam durch das poröse Gestein sickert, sich an der Decke sammelt und dann in dicken Tropfen abfällt. Trotz des stolzen Eintrittspreises gab es viele interessante Eindrücke und das Erleben der absoluten Dunkelheit ohne eine Lichtquelle oder Tageslicht war eine interessante Erfahrung.

Nach einer kurzen Mittagspause in Þorlákshöfn fuhren wir weiter auf der Straße entlang der Südküste nach Grindavík. Wir stießen zufällig auf diese Kirche, als wir eigentlich die gigantischen Wellen am Strand anschauen wollten.

Zum Abschluss des Tages besuchten wir die zwei Geothermalgebiete Krýsuvík und Gunnuhver.

Die Farben in den Geothermalgebieten sind wirklich einzigartig.

Eigentlich wollten wir zum Reykjanes Leuchtturm, doch das Wetter spielte nicht mit. Dafür konnten wir diesen Dampfwolke bestaunen.

Unsere Unterkunft in Keflavík war eine abgetrennte Wohnung in einem Wohnhaus mit superweichen Betten und viel zu vielen Kopfkissen, die dicht an der Straße zum Flughafen lag, da der Flieger am nächsten Morgen um 7:40 Uhr ging. Denny und Susann entdeckten bei einem kurzen Einkaufstrip noch einen Street-Food-Wagen mit leckeren Tacos, sodass unser Abendessen auch gesichert war.

Das war es also. Das Abenteuer Ringstraße. Insgesamt absolvierten wir rund 3.800 km in 16 Tagen, erlebten eine Menge und ich denke gerne an die zwei Wochen zurück. Island hat sich einen festen Platz in meinem Herzen gesichert.