Kerbal Space Program

Als bekennender Freund des Weltraums bin ich immer auf der Suche nach tollen Science-Fiction-Filmen, Serien und Videospielen. Im Frühjahr letzten Jahres zeigte mir der Tobi von Sovy.de das Indiegame Kerbal Space Program vom bisher unbekannten mexikanischen Entwicklerstudio „Squad“. Ohne überhaupt die Demo anzuspielen kaufte ich mir für $15 die Vollversion und habe es nicht bereut. Der neuste Trailer gibt einen guten Einblick in das Projekt.

In einem wahrscheinlich (so genau kann man das ja nicht sagen) fiktiven Sonnensystem sind wir dafür zuständig ein Weltraumprogramm auf dem Planeten Kerbin aufzubauen. Das klingt jetzt etwas nach Wirtschaftssimulation und ist nicht ganz richtig, aber so in etwa kommt das schon hin. Das Raumfahrtzentrum hat bereits eine Landebahn, eine Startrampe und einige Gebäude, darunter eine Tracking Station und zwei Fertigungshallen, in denen man Raketen und Flugzeuge nach Herzenslust zusammenlöten kann. Ob diese dann auch flugtauglich sind entscheidet sich im nächsten Schritt: dem Start. Hier sieht man dann, ob man genug Schub hat, die Rakete nicht insgesamt zu schwer ist, einen falschen Schwerpunkt hat, eine Fehlkonfiguration der Stages, das sind einzelne Punkte, an denen leere Tanks abgeworfen oder Triebwerke gezündet werden, vorliegt oder generell zu instabil ist. Diese vielen Fehlerfaktoren machen es fast unmöglich, eine auf Anhieb funktionierende Rakete zu bauen, aber umso größer ist die Freunde, wenn man seinen ersten stabilen Orbit erreicht. Und so tastet man sich Stück für Stück weiter, sucht sich neue Herausforderungen und Aufgaben. Nach dem ersten Kerbin-Orbit könnte man ja mal den Mond umrunden um dann im nächsten Schritt einen Orbit um den Mond zu erreichen, einen Landefähre abzusetzen und diese dann auch wieder zurück zur Erde zu bringen.

screenshot56

Die Landefähre ist unbeschadet auf Mun angekommen. Links daneben hüpft ein Kerbalnaut.

Diese zahlreichen Möglichkeiten machen das Spiel für mich so besonders und auch die Tatsache, dass es einerseits bockschwer ist und andererseits aber auch unheimlich belohnend. Nach der ersten erfolgreichen Mondlandung habe ich mit einem breiten Grinsen den Rückflug zu Kerbin angetreten und auch diesen mit dem letzten Tropfen Treibstoff gerade so geschafft. Danach ist man dann auch mächtig stolz auf sich selbst und ist erneut angespornt, etwas Neues zu probieren.

Angetrieben wird das Spiel von der Unity4-Engine. Diese macht einen soliden Eindruck, sieht dabei nicht überragend, aber auch nicht wirklich schlecht aus, zumal man sich eh meistens in der Schwerelosigkeit aufhält. Einzig die Sonnenauf- und -untergänge im Zusammenspiel mit der Atmosphäre von Planeten  müssen erwähnt werden. Selten habe ich in einem Videospiel die Taste für Bildschirmfotos häufiger gedrückt.

screenshot2

Die Aussicht ist fantastisch.

Kurz nach Weihnachten packte mich dann wieder die Lust und ich installierte die neuste Version. Es hatte sich eine Menge getan, neben dem Heimatplaneten Kerbin und dessen zwei Monden gibt es viele neue Planeten, von denen einige weitere Monde haben. Auch sind viele neue Bauteile dazugekommen, Solar-Panele, Batterien, Lichtquellen, Leitern, Messgeräte, verschiedene Passagierkapseln und sogenannte Probes, im Prinzip sind dies unbemannte Steuereinheiten, sodass man jetzt auch die Möglichkeit hat, einen Satelliten zu erstellen und diesen irgendwo auszusetzen. So kreisen in meinem Spielstand jetzt 2 geostationäre Satteliten um Kerbin, ein weiterer in 100km Höhe um Mun, den Mond von Kerbin und einer im Abstand von rund 1,5 Millionen Kilometern um die Sonne.

Die Möglichkeit, eigene Raumstationen zu bauen und diese in den Orbit zu bringen ist ebenso interessant wie die Herausforderung, diese nachträglich mittels des Docking Ports zu erweitern. Was einfach klingen mag ist zumindest für mich eine enorm schwere Aufgabe. Zuerst muss die Umlaufbahn der Erweiterung der der Raumstation angeglichen werden, sodass sie bis auf wenige Grad Neigung übereinstimmen. Mit Hilfe der Höhe muss man dann den Abstand zu dem Objekt verringern. Ein höherer Orbit resultiert in einer langsameren Geschwindigkeit, die Raumstation holt also mit jeder Planetenumrundung etwas auf. Ein niedrigerer Orbit bewirkt genau das Gegenteil: Die Erweiterung wird schneller und holt allmählich auf die Raumstation auf.

Sind beide Objekte einigermaßen nah beieinander wird dann mit Hilfe der Manöver-Knoten eine Orbitänderung abgestrebt, die beide Objekte auf eine fast identische Umlaufbahn bringt. Erreicht man den Intersection-Point muss die relative Geschwindigkeit zum Ziel auf 0 gebracht werden und dann folgt der schwierige Teil. Das Annähern und Andocken. Hier konnte ich noch keine Erfolge vorweisen, denn leider war ich zwar direkt davor, konnte aber nicht andocken, weil ich aus Unwissenheit keinen Docking Port an der Raumstation angebracht habe. Ich dachte, dass das verbaute Element bereits diese Ports anbietet. So war ich wieder um eine Erfahrung reicher; das wird mir mit Sicherheit nicht noch einmal passieren. Mittlerweile ist eine neue und größere Version der Raumstation in der Umlaufbahn und wurde bereits erfolgreich erweitert und gibt auch optisch einiges her.

screenshot7

Die KSS 2 inklusive der ersten Erweiterung umkreist Kerbin in einem 110 km hohen Orbit.

Kerbal Space Program wird stetig weiterentwickelt. In einer der nächsten Versionen soll dann auch endlich eine simulierte Wolkendecke den Heimatplaneten zieren und wünschenswert wäre es auch, einige Lichter von Ballungszentren in der Nacht sehen zu können. So sieht es da unten noch etwas unbewohnt aus. Mit viel Spannung wartet die Fangemeinschaft auf die Einführung von Wiedereintrittswinkeln und der Simulation der entstehenden Hitze. Die erfordern dann vor der Landung eine genaue Planung, denn bis jetzt kann man recht einfach die Atmosphäre durchdringen ohne auf die Hitzeentwicklung zu achten.

Ein abschließendes Fazit zu geben ist nicht leicht. Mir persönlich beschert Kerbal Space Program viele spaßige Stunden, aber das muss natürlich nicht für jeden gelten. Es ist sehr speziell, aber wer dem Weltall, Simulationen und einem fordernden Schwierigkeitsgrad nicht abgeneigt ist kann mit dem Ding eine Menge Spaß haben. Ich bin dann mal weg, einen Satelliten zum Nachbarplaneten Duna schicken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.