Enslaved: Odyssey to the West

New York City, 150 Jahre in der Zukunft. Ich erwache in einer Art Kapsel für Gefangene auf einem Sklavenschiff, so die Durchsage. Bei der Verhaftung wurde ich scheinbar verletzt, aber nicht schwerwiegend. Verzweifelte Versuche, aus der Kapsel zu entkommen, scheitern. Doch gegenüber hat jemand Erfolg und begibt sich zu einem Computerterminal. Viele Explosionen später bin ich frei und versuche von dem abstürzenden Schiff zu fliehen.

So fulminant und actionreich gestaltet sich der Einstieg in das Videospiel Enslaved: Odyssey to the West, welches im Oktober 2010 von Namco Bandai veröffentlich wurde . Kurz nach dem Release probierte ich die Demo aus und war ziemlich angetan, hatte jedoch viele andere Spiele auf meinem imaginären Zettel und verschob es auf meine streng geheime „To-Play-Liste“. Genau zwei Jahre später stellte Gronkh, ein berühmter créateur von sogenannten Let’s Play Videos, das Spiel seinen Abonnenten vor und erinnerte mich an dieses längst vergessene Spiel.

Die Geschichte basiert auf dem Buch Die Reise nach Westen von Wu Cheng’en und spielt 150 Jahre in der Zukunft. Die Welt, wie wir sie kennen, ist nach einem Krieg völlig zerstört und wird langsam von der Natur zurückerobert. Davon zeugen eindrucksvoll zerfallene und begrünte Hochhausruinen. Durch den Absturz des Sklavenschiffes landen die beiden Hauptcharaktere Tris und Monkey in den Überresten der Grand Central Station. Trip, die weibliche und vom Spieler nicht direkt steuerbare Figur, bändigt Monkey, den männlichen Gegenpart, mit einem Sklavenstirnband, welches er erst loswerden kann, wenn Trip wieder bei ihrer Familie ist. Wenn sie stirbt, dann stirbt Monkey ebenfalls, ausgelöst durch eine Explosion des Stirnbands.

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Monkey bleibt also keine Wahl und so treten beide die namensgebene Reise gen Westen an. Vorbei an interessanten und abwechslungsreichen postapokalyptischen und von Mechs übersähten Schauplätzen. Hervorzuheben sind definitiv die eindrucksvolle Brooklyn Bridge und die Grand Central Station, auch wenn diese nur kurz besucht wird.

Trip und Monkey sind zwei sehr sympathischen Hauptcharaktere, die sich mit der Zeit immer besser kennen lernen und sich immer nähe kommen, ohne dabei kitschig zu wirken. Ninja Theory hat gute Arbeit geleistet und glaubwürdige Charaktere geschaffen, die nur zusammen überleben können. Trip, die Computerexpertin, hackt Türen, lenkte Feinde ab, ermittelt Schwachstellen in Gegnern und verbessert Monkeys Ausrüstung und Vitalwerte. Monkey ist, wie der Name schon verrät, ein begnadeter Kletterer und lehrt mit seinem Kampfstab so manchem Mech das fürchten.

Bei der Synchronisation haben die Entwickler keine Fehler gemacht, die Stimmen sind gut und glaubwürdig, jedoch schwankt die Lautstärke in einzelnen Passagen mitunter sehr stark, sodass man besser die Untertitel anschalten sollte. Aber vielleicht liegt das auch an einer Fehlkonfiguration meiner Soundanlage.

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Der Spielverlauf selbst ist sehr linear und führt gute 10 bis 12 Stunden lang durch Schlauchlevel ohne große Entscheidungsmöglichkeiten, wird aber durch leichte Rätsel und einige Überraschungen aufgelockert. Die Kämpfe gestalten sich flüssig, sind fordernd aber nie unfair, genauso wie die Bosskämpfe. Im Gegensatz zu Negativbeispielen wie Deus Ex: Human Revolution sind diese eingänglich und lassen sich meist im ersten Anlauf erfolgreich meistern.

Insgesamt hat Namco Bandai mit Enslaved ein wunderbares Spiel abgeliefert, das leider zu wenig Beachtung fand und die eher enttäuschenden Verkaufszahlen, die letzten Zahlen sprechen von etwa 730.000 Exemplaren, nicht rechtfertigt. Hoffentlich sehen wir die das Duo irgendwann mal wieder, es wäre schade, wenn nicht, denn glaubwürdige Helden wie diese beiden gibt heute leider selten.

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